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Mittwoch, 15. November 2017

Wenn ich einmal dement werde ...



Dement sein bedeutet wörtlich übersetzt „weg vom Geist“ oder auch „ohne Geist“.


Eine kleine Lebens-Hilfe für ein gutes Miteinander

 
Wenn ich dement werde, soll mein Leben einfach, übersichtlich und voraussichtlich sein. Und so sein, dass ich das gleiche mache jeden Tag zur gleichen Zeit, auch wenn es dauert, bis ich es begreife.
 
Wenn ich dement werde, musst du ruhig mit mir sprechen, damit ich keine Angst bekomme und nicht das Gefühl bekomme, dass du böse mit mir bist. Du sollst mir immer erzählen, was du tust. Du solltest mich wählen lassen und respektieren, was ich wähle.
 
Wenn ich dement werde, denke daran, dass es gut für mich wäre, schöne Erlebnisse zu haben, auch dass du sie mir erzählst, bevor ich sie erlebe.


Lupo  / pixelio.de
Wenn ich dement werde, brauche ich und kriege ich viel mehr Schlaf, als ich eigentlich will. Und wenn ich schlafe, habe ich immer Angst, dass ich nicht mehr wach werde. Gib mir Mut zu schlafen.
 
Wenn ich dement werde, kann ich vielleicht nicht mehr mit Messer und Gabel essen, aber bestimmt sehr gut mit den Fingern. Lass mich das tun.
 
Wenn ich dement werde, kann ich mich nicht mehr erinnern, was ich gerne möchte, dann musst du lernen, mir das zu zeigen.



Wenn ich dement werde, und ich bin eigensinnig und boshaft und habe schlechte Laune, dann bin ich das, weil ich mich machtlos und hilflos fühle, das hasse ich.
 
Wenn ich dement werde und Panik kriege, dann weil ich zwei Dinge gleichzeitig denken soll. Halt meine Hand fest und hilf mir, mich auf eine Sache zu konzentrieren.
 
Wenn ich dement werde, bin ich leicht zu beruhigen, nicht mit Worten, sondern in dem du ganz ruhig neben mir sitzt und meine Hand festhältst.
 
Wenn ich dement werde, verstehe ich nicht das Abstrakte. Ich will sehen, spüren und begreifen, wovon du sprichst.
 
Wenn ich dement werde, habe ich das Gefühl, dass andere mich nicht mehr verstehen. Genauso schwer ist es für mich, andere zu verstehen. Mach deine Stimme ganz leise und sieh mir ins Gesicht, dann verstehe ich dich am besten. Sage wenige Worte und einfache Sätze und versuche, herauszufinden, ob ich alles verstanden habe. Schaue mich an und lache, bevor du mit mir sprichst. 

Vergiss nicht, dass ich viel vergesse.
 
Wenn ich dement werde, möchte ich gute Musik hören von damals, aber ich habe vergessen welche. Lass sie uns zusammen hören, ich vermisse das. Ich mag auch gerne singen, aber nicht allein.
 
Wenn ich dement werde und sage: „ich will nach Hause", dann antworte mir ernsthaft, damit ich merke, dass du weißt, dass ich mich im Moment sehr unsicher fühle.
 
Wenn ich dement werde und schimpfe, dann gehe einen Schritt zurück von mir, so spüre ich, dass ich immer noch Eindruck machen kann.
 
Ich bin oft verzweifelt. Verzweifle nicht auch du.
 
 
Verfasser: unbekannt

Samstag, 1. April 2017

Einladung April 2017

April, April, der weiß schon was er will...

Liebe Angehörige, liebe Interessenten!

Ich lade Sie zu unserem Treffen im April 2017 recht herzlich ein.
Angehörigen-Gesprächsrunde - Teil 2 (Projekt)
„Ich hab’s Dir doch gerade gesagt!“ Kommunikation mit dementiell erkrankten Menschen besser meistern
  • Wo?  Räume des Malteser Hilfsdienstes e.V., August-Schleicher-Str. 2
  • Wann? Donnerstag, den 6. April 2017, ab 16.00 – ca. 18.00 Uhr
  • Thema? „Ich hab’s Dir doch gerade gesagt!“ Kommunikation mit dementiell erkrankten Menschen besser meistern, Gesprächspartnerin Frau Anja Schollmeyer
  • Anmeldung erforderlich bis Montag, den 3. April 2017
  • Teilnahmegebühr/Eigenanteil pro Angehöriger 5,00 Euro
  • Besonderheiten: Betroffene/Erkrankte sind willkommen, eine Betreuung kann zeitgleich über den Demenzentlastungsdienst im gleichen Haus organisiert werden.
    Bei Bedarf bitte ich um Absprache mit Frau Schiwek Tel. 0151/42361061.

Ausblick Mai 2017

11. Mai 2017Lesung mit Frau Annette Röser-Letitzky vom Singliesel-Verlag
23. Mai 2017 - Gesprächskreis Demenz für Angehörige, 16-18 Uhr

Ich bitte um Rückmeldung zur Teilnahme und freue mich, Sie begrüßen zu können.
by petrakoczan

Montag, 6. Juni 2016

Wenn ich dement werde ...

...

Wenn ich dement werde, soll mein Leben einfach, übersichtlich und voraussehbar sein. Und es soll so sein, dass ich das Gleiche mache, jeden Tag zur gleichen Zeit, auch wenn es dauert, bis ich es begreife.
Wenn ich dement werde, musst Du ruhig mit mir sprechen, damit ich keine Angst bekomme und nicht das Gefühl kriege, dass Du böse mit mir bist. Du sollst mir immer erzählen, was Du tust. Du sollst mich wählen lassen und respektieren, was ich wähle.
Wenn ich dement werde, denke daran es wäre gut für mich, auch schöne Erlebnisse zu haben und dass Du sie mir erklärst, bevor ich sie erlebe.
Wenn ich dement werde, brauche ich und krieg ich viel mehr Schlaf wie ich eigentlich will. Und wenn ich schlafe, habe ich immer Anst, dass ich nicht mehr wach werde.

Wenn ich dement werde, kann ich vielleicht nicht mehr mit Messer und Gabel essen, aber bestimmt sehr gut mit den Fingern. Lass mich das tun und gib mir Mut zu schlafen.
Wenn ich dement werde, kann ich mich nicht mehr erinnern, was ich gerne möchte, dann musst Du lernen, mir das zu zeigen.
Wenn ich dement werde, und ich bin eigensinnig und boshaft und habe schlechte Laune, dann bin ich das, weil ich mich so machtlos und hilflos fühle, das hasse ich.
Wenn ich dement werde und schimpfe, dann gehe einen Schritt zurück von mir, dass ich spüre, dass ich immer noch Eindruck machen kann.
Wenn ich dement werde und Panik kriege, dann nur, weil ich an zwei Dinge gleichzeitig denken soll. Halt meine Hand fest und hilf mir, mich auf eine Sache zu konzentrieren.
Wenn ich dement werde, bin ich leicht zu beruhigen, nicht mit Worten, sondern indem Du ganz ruhig neben mir sitzt und meine Hand ganz fest hälst.
Wenn ich dement werde, verstehe ich nicht das Abstrakte, schwach formulierte, ich will sehen, spüren und begreifen, wovon Du sprichst.
Wenn ich dement werde, habe ich das Gefühl, dass andere mich schwer verstehen und genauso ist es schwer für mich, andere zu verstehen. Mach Deine Stimme ganz leise und guck mich an, dann verstehe ich Dich am besten. Mache nur wenige Worte und einfache Sätze und versuche herauszufinden, ob ich alles verstanden habe. Guck mich an, berühre mich und lache, bevor Du mit mir sprichst. Vergesse nicht, dass ich oft vergesse.
Wenn ich dement werde, habe ich oft keine Lust, spazieren zu gehen, aber ich weiss hinterher, dass es mir besser geht.
Wenn ich dement werde, möchte ich gute Musik hören, von damals, aber ich habe vergessen, welche. Lass sie uns zusammen hören, ich vermisse das. Ich mag auch gerne singen, aber nicht alleine.
Wenn ich dement werde, dann ist da manchmal gar nichts, wenn ich begreifen soll, aber vielleicht begreife ich besser, als Du denkst.
Wenn ich dement werde und sage ich will nach Hause, dann antworte mir ernsthaft, damit ich merke, dass Du weisst, dass ich mich im Moment sehr unsicher fühle.
Verfasser unbekannt

Zur Erinnerung an meinen Opa, der schwer an Alzheimer erkrankte, leider schon verstorben ist und heute Geburtstag hätte. Damals wußte ich noch nichts über diese Krankheit und verstand seine Verhaltensweisen nicht.
by petrakoczan

Mittwoch, 16. März 2016

Oma „Ilses weite Welt“ mit Sophie Rosentreter in Erfurt



Vielen Dank an Frau Rosentreter für den intensiven und gut nachvollziehbaren Input im Bezug auf den Umgang mit den Betroffenen. Angehörige haben dabei eine wichtige Rolle, sollten aber auch an sich selbst denken, sich nicht überfordern bei dem täglichen Umsorgen ihres Erkrankten.

Eigene Erfahrungen, die Erfahrung anderer (auch Profis) und viele gut gelungene aussagekräftige Filmsequenzen ließen uns eintauchen in Oma „Ilses weite Welt“ und die Möglichkeit der Erkenntnisfindung bei uns Angehörigen. Es gibt immer Möglichkeiten, Menschen mit Demenz ob zu Hause, bei der Tagespflege oder im Heim am Leben teilhaben zu lassen, auch wenn es nur eine kleine sehr begrenzte Welt ist.

„Komischen“  Verhaltensweisen und unverständlichen Aussagen auf dem Grund zu gehen, ist der Erfolgsschlüssel. Das ist für uns Angehörige eine gewaltige Aufgabe. Der Perspektivwechsel zum Betroffenen hin sollte erfolgen. Schöpfen können Angehörige meist durch das Wecken von Erinnerungen bei den Erkrankten. Diese reichen im fortgeschrittenen Stadium meist etwa  nur bis vor das 25. Lebensjahr des Betroffenen zurück, so Frau Rosentreter. Daran bindet sich dann alles, was das Gefühl, Gerüche, Erlebnisse betrifft.
Sich als Angehöriger darauf einzustellen, verlangt einiges ab. Damit erklärt sich z.B. die Frage: Warum erkennt mich mein Betroffener nicht mehr oder will er mich nicht erkennen? Immerhin war ich z.B. noch ein Kleinkind, als meine Mutter in dem Alter war. Wen wundert es, dass sie mich nicht kennt? Natürlich ist das für Angehörige nicht gerade berauschend, festzustellen, dass die eigene Mutter die Tochter oder den Sohn nicht in der heutigen Person sieht, sondern jemand völlig fremden.  Über diese Hürde springen, ist für uns die Herausforderung, nicht auf „Erkennen“ beharren. Es gibt andere Wege der Kontaktaufnahme und der Verständigung. Das konnten wir in mehreren Filmausschnitten sehr eindrucksvoll miterleben. 

Schön empfand ich die Idee der Nutzung des Fernsehers, aber nicht als das Medium mit vielfältigem Unterhaltungsprogramm en masse, sondern der Vermittlung von Ruhe, Zufriedenheit, innerer Einkehr und Sich-Finden. Empfohlen werden Zoo-/Tier-/Naturfilme ohne „Aktion“, Lärm und Farbenexplosionen, unterlegt mit vorzugsweise klassischer ruhig fließender Musik. In ruhiger und farblich abgestimmter Atmosphäre schmeckt dann auch das Essen gut.
Zum Abschluss schnell ein Foto ...
Ich denke, ich sollte mir  von Zeit zu Zeit ebensolche Vorträge wie den von Frau Rosentreter anhören. Viele gute Ideen hatte ich schon mal gehört und dann wiedervergessen. Diese Ideen wiederzubeleben und mir immer mal wieder zu vergegenwärtigen, ist wichtig, um sie weiterzugeben und umzusetzen.

Der letzte Teil des Vortrages berührte ein sehr sensibles Thema: Das Sterben – ein gesellschaftlich gesehen -  sehr schweres Tabuthema.
Ich persönlich empfand den letzten Teil des Vortrages - die Begleitung auf dem letzten Weg bis hin zum friedlichen Einschlafen - besonders eindrucksvoll. Ich war überrascht, dass dieser Gedanke mit eingebracht wurde. Liebe Frau Rosentreter, Sie haben da den Umgang mit einer sensiblen Fragestellung sehr anschaulich und verständlich dargelegt. Vielen Dank auch im Namen unserer SHG Demenz-Pflaster in Erfurt

Danke an den Veranstalter des gelungenen Vortrages der AWO Landesverband Thüringen e.V. !

by petrakoczan

Dienstag, 1. Dezember 2015

Das erste „Türchen“ der SingLiesel-Advents-Geschichten

Max und Sebastian saßen auf der Bank hinter dem Schuppen. In der Ferne hörten sie Fräulein Mayer nach ihrem Waldemar rufen. Fräulein Mayer war eine ältere Dame aus dem Nachbarhaus, die der Vater manchmal einfach nur „die alte Jungfer“ nannte. Max und Sebastian gingen ihr eigentlich lieber aus dem Weg; sie war zwar nicht unfreundlich zu den Buben, aber sie hatte immer eine Warnung oder einen guten Ratschlag parat, der die beiden Buben nicht die Bohne interessierte.


Waldemar war ihr Dackel, den sie heiß und innig liebte. Waldemar büxte oft aus. Dann hörte man Fräulein Mayer in der ganzen Gegend nach ihm rufen: „Waldemar, mein Hundchen, komm her zum Frauchen!“ Bei einem seiner Streifzüge war auch Waldemar Opfer eines Streichs der beiden Buben geworden: Als er wieder einmal allein durch die Gegend spazierte, schnappten sich Max und Sebastian den Dackel und banden ihm mehrere leere Dosen an den Schwanz. Ein lustiger Anblick!, fanden die beiden Buben, und welch ein herrlicher Lärm! Denn je mehr die Dosen hinter ihm schepperten, desto lauter bellte der Hund.

Als Fräulein Mayer ihren Waldemar entdeckte, befreite sie ihn gleich von seiner Last und jammerte: „Bestimmt waren das diese beiden Lausebengel von nebenan! Mein armer Waldi!“ „Wie können wir diesen Streich wiedergutmachen?“, überlegten die Buben. „Es soll etwas sein, worüber sich die alte Jungfer freut, aber auch der Dackel!“, sagte Sebastian. Nach einer Weile rief Max: „Ich hab’s! Wir backen Leberwurstkekse für Waldemar! Leberwurstkekse wird er bestimmt mögen!“

Gesagt, getan. Sie liefen in die Küche und verkneteten zunächst Haferflocken, Frischkäse, Leberwurst und ein Ei. Daraus formten sie walnussgroße Kugeln, die sie im Backofen buken. Noch einen Faden durchgezogen, und fertig war die Leberwurstkekskette. Als Fräulein Mayer mit Waldemar Gassi ging, nutzten Max und Sebastian die Gelegenheit und drapierten die Hundekuchen-Kette an ihrer Tür. Kaum hatten sie alles an die Türklinke gehängt, kamen Fräulein Mayer und Waldemar zurück. Die beiden Jungen konnten eben noch im Treppenhaus ein Stockwerk höher flüchten, als sie schon hören konnten, wie Waldemars lautes Schnuppern in freudiges Kläffen überging. Dann schmatzte er bald nur noch genüsslich. Von oben beobachteten sie den glücklichen Hund mit seinem lächelnden Frauchen.

So hatten Max und Sebastian ein Leuchten in die Adventszeit gebracht.


Die Geschichten stammen aus dem SingLiesel-Geschichten-Kalender von Linus Paul (Autor) und Nikolai Renger (Illustrationen); ISBN: 978-3-944360-81-2

mit freundlicher Genehmigung von

Freitag, 27. November 2015

Lesung "Mein Vater und die Gummi-Ente" in Erfurt

Unsere Lesung am 26.11.2015 war ein voller Erfolg und Frau Röser eine sehr gute Gesprächspartnerin. Anfängliche Zurückhaltung der Gäste wandelte sich schnell in Wissensdurst und einen angeregten interessanten Erfahrungsaustausch.

Nach kurzem Überlegen setze sich unsere Autorin einfach auf den zum Lesen bereitgestellten Tisch - ein Wohlfühlfaktor für alle Anwesenden.
Die präsentierten Episoden und Geschichten von Angehörigen fanden schnell Zustimmung und Begeisterung.
Wir Angehörige sind Experten durch Erfahrung im Umgang mit der Krankheit Demenz und der Gerontopsychiatrie.
Es ist gut, daß Angehörige sich mehr und mehr in den Fokus stellen, ihre eigenen Bedürfnisse neben dem anstengenden Pflegealltag erkennen und durchsetzen wollen. Inanspruchnahme von Hilfeleistungen ist eine besondere Stärke und trägt zur Stärkung des Angehörigen als Mensch und als Persönlichkeit bei.
Das Fortscheiten der Krankheit Demenz und der Verfall von erworbenen Fähigkeiten können nicht aufgehalten werden. Der Verfall der Psyche läßt nur noch Gefühlswelten und alte Erinnerungsstrukturen, wie Musik, Gerüche oder einzelne wichtige Wörter aus der Berufswelt übrig. Dies zu nutzen und personenbezogen einzusetzen ist ein wichtiger Teil der Betreuung von Demenzkranken, egal ob zu Hause, in der Tagespflege oder im Pflegeheim.
Der Mix aus Lesung, Erfahrungsaustausch und Mitgefühl ließ diesen Nachmittag als schönes und unterhaltsames Erlebnis in einem Kreis Gleichgesinnter werden.


Danke nochmals an unsere Autorin und Mitinhaberin des Singliesel-Verlages Frau Röser und an Herrn Feher, Leiter der K&S Seniorenresidenz in Erfurt.



© Text unf Fotos by petrakoczan